GERMAN: Schul-Erfahrung in New York

Ein wichtiger Grund warum wir Deutschland verlassen haben, war das immer wieder auftauchende Problem “inkompetenter Lehrer”.
Als Eltern von drei Kindern kommt man damit leider regelmäßig in Berührung.
Natürlich kann man in gar keinem Fall sagen, dass deutsche Lehrer generell inkompetent sind. Ganz im Gegenteil ist die Ausbildung der Pädagogen in Deutschland weltweit gesehen sicherlich auf einem sehr hohen Standard, aber…
Manchen deutschen Lehrern fehlt unserer Meinung nach das notwendige Einfühlungsvermögen dafür, dass Kinder unterschiedlich sind und nicht alle gleich behandelt werden können.

Wir haben außerdem drei sehr unterschiedliche Kinder, die sich tatsächlich in Ihren Vorlieben und Stärken/Schwächen deutlich unterscheiden.

So hatte unsere Tochter auf dem Gymnasium eine Mathematik-Lehrerin, die nicht nur pädagogisch unfähig war. Unsere Tochter hatte ununterbrochen Bauchschmerzen und jeden zweiten Tag vergoss sie Tränen, u.a. wegen dieser unfreundlichen Mathe-Lehrerin.
Ich bin kein Mensch, der ohne zu hinterfragen, ein Urteil über andere Menschen fällt, aber in diesem Fall kann ich nur sagen, dass diese Lehrerin in meinen Augen keine Berechtigung hat Schulkinder zu “unterrichten” und ihnen den Zugang zur Mathematik vollkommen verdirbt.

Ein anderes Problem, dass wir nach wie vor für unmenschlich halten, ist die Unterteilung von Kindern in Haupt-, Realschule und Gymnasium.
Es wird dabei viel zu wenig berücksichtigt, dass z.B. ein Kind mit Schwächen in Mathematik, durchaus sehr gut in anderen Fächern sein kann.
Dabei möchte ich noch erwähnen, dass ich selbst u.a. Mathematik studiert habe und mich ganz gut damit auskenne ob Mathematik auch Spaß machen kann.

In den USA wird in jedem Fall ein ganz anderer Ansatz als in Deutschland bei der schulischen Ausbildung vermittelt: Lernen soll Spaß machen!

Und ob man das Nachfolgende nun glaubt oder nicht – unsere drei Kinder gehen lediglich auf eine öffentliche Schule in Manhattan. In einem guten Bezirk, aber eben auf eine normale öffentliche, englischsprachige Schule.

Schon der erste Schultag war wie ein unglaubliches Geschenk für uns. Die Kinder wurden nicht nur sehr freundlich aufgenommen, sie wurden außerdem auch noch persönlich betreut um die Sprachbarriere zu überwinden.
Die Kinder kamen deshalb nach dem ersten Schultag so freudig und gut gelaunt nach Hause, dass wir das erstmal nur für einen vorläufigen Effekt gehalten haben.

Mittlerweile gehen sie jedoch über ein halbes Jahr auf diese Schule und sind immer noch begeistert!

Die Lehrer sind in der Summe deutlich freundlicher und bemühter, als man sich das als Deutscher überhaupt vorstellen kann.
So bedanken sich Lehrer bei den Kindern sie unterrichten zu dürfen – und auch wenn man am Anfang glaubt , dass das nur eine Floskel ist, stellt man schon nach kurzer Zeit fest, dass das im wahrsten Sinne des Wortes ernst gemeint ist.

Wir erleben hier tagtäglich wie unsere Kinder (12, 5 und 5 Jahre alt), jedes nach seinen Stärken und Schwächen, gefördert und gefordert werden – ohne sie dabei zu überfordern.
Dazu sollte man dann noch kurz erwähnen, dass wir, wenn man so will, das gesamte Spektrum schulischer Leistungsfähigkeit abdecken, d.h. von sehr intelligent bis sehr verträumt – und trotzdem hat man bei allen drei Kindern, die in drei unterschiedliche Klassen gehen, das unbedingte Gefühl, dass sie genau richtig “unterrichtet” werden.

Unsere beiden 5 jährigen Jungs sprechen jetzt schon fast so gut Englisch, wie unsere 12 jährige Tochter und können beide schon Englisch lesen und schreiben, obwohl man mit 5 auch hier in eine Art Kindergarten in der Schule geht.

Auch die Zeugnisse kann man mit deutschen Zeugnissen nicht vergleichen. Es handelt sich dabei um eine sehr ausführliche Einschätzung (4 eng bedruckte Seiten) der Stärken und Schwächen und nicht um eine einfache Einteilung in Noten von 1-6.
Natürlich gibt es auch hier Noten, die aber viel individueller unterteilt sind und z.B. auch die Leistungsfähigkeit des einzelnen Kindes berücksichtigen.
Ist ein Kind in Mathematik z.B. nicht so leistungsfähig, hat es nicht einfach eine 4, sondern bekommt in der Gruppe der Normalbegabten 75%. Das ist nicht nur für das Kind viel angenehmer, sondern auch für die Eltern, die dann eben in anderen Fächern feststellen können, dass das Kind hier über dem Durchschnitt liegt.

Festgestellt haben wir auch, dass Kinder hier, durch die tägliche positive Ermunterung durch die Lehrer, fast schon extrem oft bereit sind, sich für besondere Aufgaben zu melden. Unsere drei Kinder haben wir jetzt in verschiedenen schulischen Situationen erlebt und waren am Anfang verwundert darüber wie freiwillig sie die Hände heben, wenn es darum geht etwas vor der ganzen Klasse oder allen Eltern vorzuführen. Aber der Unterschied zur deutschen Schule besteht einfach darin, dass kein Kind, egal wie gut es im jeweiligen Fach ist, Angst haben muss vor der Klasse “herunter geputzt” zu werden.

Eine andere sehr schöne Sache ist z.B. auch, dass selbst behinderte Kinder dort auf den normalen Schulen unterrichtet und nicht ausgegrenzt werden, d.h. integrative/inklusive Ausbildung ist hier vollkommen normal.
Das ist zwar auch in Deutschland schon seit Jahren Gesetz, wird aber durch die Bildungshoheit der Bundesländer untergraben.
Obwohl es von der Bundesregierung einen Leitfaden hierzu gibt, der eindeutig aufzeigt, dass die sogenannte integrative Erziehung für alle besser ist – aber bis zur Umsetzung der integrativen/inklusiven Ausbidlung ist es in Deutschland eindeutig noch ein weiter Weg.
(z.B. Unser Weg in eine inklusive Gesellschaft)
Hier funktioniert das alles wirklich sehr gut. Es ist völlig normal, dass z.B. auch Kinder im Rollstuhl in der Schule unterwegs sind.
Neulich hat unser Sohn in diesem Zusammenhang den Satz, den er in der Schule gelernt und verinnerlicht hatte, von sich gegeben: “It’s okay to be different!”. Was einem (nicht nur) als Eltern richtig gute Gefühle macht… 🙂

Wenn ich länger darüber nachdenke, könnte ich über dieses Thema schon einen ganzen Roman schreiben – und es würden dabei noch einige positive Dinge mehr zur Sprache kommen, aber es ist schon so für die meisten deutschen Freunde von uns, kaum vermittelbar, dass das alles hier so toll sein soll.

Aber es ist so!

Natürlich wird das in den USA nicht überall so sein, aber hier in Manhattan ist es in jedem Fall positiver als wir uns das jemals vorgestellt haben.

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1 Comment on "GERMAN: Schul-Erfahrung in New York"

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Matthias Riebe
Guest

Hi , genau diese Erfahrungen kann ich nur bestätigen. Wir wohnen jdoch nicht in NY sondern in Redwond WA. Wenn ich deinen Bericht lese mus ich immer an unsere ersten Erfahrungen mit there amerikanischen Schule denken. Das wird man sein Leben lang nicht vergessen. Wenn ich the an dieses diktatorische Schulsystem in DE denke. OMG.

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